Rad fahren an den Küsten Hollands und Frieslands – das verspricht einen genussvollen Urlaub im Mutterland der Fahrradferien! Zwei unterschiedliche Teilstücke bilden den niederländischen Teil des Internationalen Nordseeküsten-Radwegs: Von Rotterdam bis fast hinauf an die Nordspitze Hollands ziehen sich die großen Dünenparks, immer wieder unterbrochen durch die Wunder der holländischen Deich- und Wasserbaukunst. Über den gigantischen Abschlussdeich oder die Inseln Texel und Vlieland kommen Sie dann ins weite, offene Friesland. Entlang der Deiche und durch die vielen winzigen Dörfer und Warften geht es – oft mit reichlich Rückenwind – hinüber in die Provinz Groningen, zum Dollard und schließlich nach Deutschland an die Ems.
Präzise Karten, genaue Streckenbeschreibungen, zahlreiche Stadt- und Ortspläne,
Hinweise auf das kulturelle und touristische Angebot der Region und ein umfangreiches
Übernachtungsverzeichnis – in diesem Buch finden Sie alles, was Sie
zu einer Radtour entlang des Nordseeküsten-Radweges brauchen – außer
gutem Radlwetter, das können wir Ihnen nur wünschen.
Bei dem hier vorgestellten Abschnitt des Nordseeküsten-Radwegs in den Niederlanden handelt es sich um ein Teilstück der internationalen North Sea Cycle Route. Dieser erste europäische Radfernweg führt rund um die ganze Nordsee durch sieben Länder – die Niederlande, Deutschland, Dänemark, Schweden, Norwegen, Schottland und England – mit einer Gesamtlänge von rund 6.000 Kilometern. Informationen zu der Gesamtroute sowie wichtige Adressen in den beteiligten Ländern und den notwendigen Fährverbindungen erhalten Sie bei den unten genannten Informationsstellen oder im Internet unter www.northsea-cycle.com. Bikeline-Radtourenbücher (Nordseeküsten-Radweg Teile 1-4) gibt es dazu mittlerweile von Hoek van Holland bis hinauf nach Frederikshavn (DK) am Skagerak.
Obwohl Holland extrem flach ist, wartet der Nordseeküsten-Radweg zwischen Hoek van Holland und Den Helder, sowie auf den beiden Inseln mit einigen Anstrengungen auf: Die angewehten Dünen erreichen Höhen von mehr als 20 Metern (bei Camperduin sogar über 50m!), und dazwischen geht’s immer wieder auf Meeresniveau hinunter. Hinzu kommt der meist vom Meer wehende (Seiten-)Wind. Bei den in Holland vorherrschenden Winden ist die Wahrscheinlichkeit für Rückenwind in der beschriebenen Fahrtrichtung aber am ehesten gegeben.
Erst im platten und baumarmen Friesland und Groningen können Sie entlang der Deiche mit Rückenwind aus West rechnen; Dünen finden sich hier nur noch auf den Inseln.
Die Hauptroute des niederländischen Nordseeküsten-Radwegs beträgt vom Fährhafen Hoek van Holland bis zur deutschen Grenze 409 Kilometer; unser Vorschlag vom Hauptbahnhof Rotterdam startend und bis Leer an der Ems beläuft sich auf 448 km. Die nur im Sommer nutzbare Variante über die Watteninseln Texel und Vlieland statt über den Abschlussdeich des IJsselmeeres ist knapp 13 Radel-Kilometer kürzer.
Die Wegequalität ist überdurchschnittlich gut, praktisch alles ist asphaltiert oder glatt gepflastert. Die wenigen mit feinem Muschelkalk gestreuten Strecken in den Dünen sind so glatt, dass sie auch schmal bereiften Rennrädern keine Probleme bereiten. Wirklich unbefestigte Wege sind eine absolute Seltenheit, es gibt dort immer asphaltierte Alternativen. Verkehrsreiche Strecken sind in Holland nirgendwo ein Problem, denn es gibt neben fast jeder stärker befahrenen Straße einen separaten Radweg, vor allem in den Städten. Diese sind allerdings auch benutzungspflichtig!
Der niederländische Teil der North Sea Cycle Route (NSCR) setzt sich aus Teilen der Noordzeeroute LF 1 und der Waddenzeeroute LF 10 zusammen. Sie folgen also deren Pfeilen – in der beschriebenen Fahrtrichtung sind das LF1b gen Norden und LF10a gen Osten.
Die Radfernwege und auch die meisten unserer empfohlenen Anschlüsse und Ausflüge sind – wie alle touristischen Radrouten in Holland – kursiv grün auf weiß beschildert. Zusätzlich findet man die Radwegweisung für den Alltagsverkehr in rot auf weiß: Auf diesen Strecken kommen Radler ohne Umwege sicher zum Ziel – allerdings meist auf Radwegen entlang größerer Straßen.
Bevor Sie das offenen Meer erwartet, fahren Sie von Rotterdam entlang der Neuen Maas hinaus an die Küste, linker Hand der größte Hafen Europas am anderen Ufer. Ab Hoek van Holland, wo die Fähren nach England gehen, radeln Sie entlang der schmalen Dünen oberhalb der „Landschaft unter Glas“ durch’s Westland. Die noblen Wohngebiete zwischen Scheveningen und Den Haag sind bald erreicht. Nach einem interessanten Abstecher in die Stadt des Regierungssitzes geht es durch die großen Dünengebiete mit ihren weiten Stränden, unterbrochen von den quirligen Badeorten Katwijk, Noordwijk und Zandvoort. Bis hinein nach Haarlem bringt Sie ein Ausflug.
Die meist frei geführten Radwege der Nordsee-Route (LF1b) lassen Ihnen auch im dicht besiedelten (Urlaubs)gebiet genug Ruhe. Im Autoverkehr brauchen Sie in Holland so gut wie nie zu fahren; entlang der Straßen gibt es überall Radwege.
Dieser Abschnitt Ihrer Radtour wird vor allem durch eines geprägt: Sand. Aber keine Angst, der Radweg selbst führt immer gut befestigt durch die Dünenlandschaft der Nationalparke „De Kennemerduinen“ und „Noord Hollands Duinreservaat“. Unvermittelt tauchen zwischendurch hinter den Wohngebieten von IJmuiden Ozeanriesen auf, und Sie überqueren mit der Fähre den Nordseekanal, der das IJsselmeer und vor allem Amsterdam mit der offenen See verbindet. Nach einem Ausflug nach Alkmaar und Bergen endet bald die Dünenküste, und der Nordseeküsten-Radweg wendet sich als LF 10 (Waddenzeeroute) gen Nordosten. Durch weite Polder ziehen Sie zwischen den ehemaligenInseln dahin und überqueren den gewaltigen Abschlussdeich nach Friesland. Immer am Deich ist die friesische Seestadt Harlingen bald erreicht.
Außerhalb der autofreien Dünengebiete bewegen Sie sich hier hauptsächlich auf kleinen, wenig befahrenen Straßen. Am Abschlussdeich ist der laute Verkehr allerdings nur wenige Meter vom breiten Radweg entfernt.
Wer dem eindrucksvollen Abschlussdeich das Schaukeln von Fähren
vorzieht, dem bietet diese Variante das Inselleben als Alternative. Die kleine
Fähre nach Vlieland fährt aber nur von Mai bis September, in der Nebensaison
nicht täglich und muss unbedingt 1-2 Tage vorbestellt werden! (Genaue Information
s. Datenblock De Cocksdorp, S 86).
Übrigens sind Texel und die Friesischen Inseln der letzte Rest der einstmals
geschlossenen Dünenküste. Dazwischen erstreckt sich nun das Wattenmeer
bis hinüber nach Deutschland.
Über ehemalige Inseln wie Callantsoog und Huisduinen geht
es noch auf der Noordzeeroute zum Marine- und Fährhafen Den Helder an Hollands
Nordspitze. Auf Texel ersetzt ein dichtes Radroutennetz die Fernwegweisung und
ermöglicht so auch Rundrouten, falls man nicht nach Vlieland weiterfahren
möchte. Vlieland selbst ist fast autofrei und bei ordentlichem Westwind
ein rasendes Radelerlebnis!
Die offizielle Hauptroute ist auf Texel ein paar Kilometer unbefestigt, der
Abschnitt kann aber problemlos umfahren werden. Der wenige Autoverkehr ist dabei
kein Problem.
Nun radeln Sie durch Friesland und die Provinz Groningen, eher dünn besiedelte Landstriche in den ansonsten dicht bevölkerten Niederlanden. Und auch sonst ist hier einiges anders: zusätzliche Amtssprache ist Friesisch (frys), was sich an vielen zweisprachigen Ortsschildern erkennen lässt. Während die Dünenküste und die Inseln langsam verschwinden, wächst hier das Land durch Anschwemmung. Die Route trifft auch weit im heutigen Landesinneren auf erhöht liegende Warftendörfer und Deiche, die frühere Küstenlinien markieren. Oder sie zieht sich schnurgerade durch junge Polderflächen. Delfzijl am Dollard ist nach langer Zeit die einzige Stadt am Weg, bevor es bei Nieuweschans hinüber nach Deutschland und an die Ems geht.
Abseits der ganz großen Straßen gibt es hier fast
keine eigenen Radwege mehr – sie sind bei der äußerst niedrigen
Verkehrsdichte auch völlig unnötig. Die kleinen Sträßchen
und Feldwege sind praktisch überall glatt asphaltiert.