Mit dem vorliegenden Radtourenbuch wird erstmals der zentrale Teil einer großen mehr als 3.000 km langen Radroute durch 9 europäische Länder von Boulogne-sur-Mer an der Französischen Kanalküste bis St.Petersburg in Russland in der für Radtouristen bewährten Form grenzüberschreitend dargestellt.
Der Europa-Radweg R 1 oder auch EURO-ROUTE R 1 genannt – quer durch Deutschland und Polen als „R 1“ einheitlich ausgeschildert, mit dem LF4 und LF1 im Westen verknüpft und auch im Baltikum fortsetzbar – lehnt sich an den Verlauf einer seit zwei Jahrtausenden gewachsenen längsten, vor allem im 20. Jahrhundert zeitweise unterbrochenen Straße quer durch Europa. Sie ist Symbol für den Zusammenhang eines großen Teils europäischer Kultur.
Die gute Zusammenarbeit mit der Stiftung „Landelijk Fietsplatform“
Holland, der politische Wille und das Engagement einzelner Mitarbeiter in den
berührten deutschen Kreisen und kreisfreien Städten, insbesondere
in der kommunalen „Arbeitsgemeinschaft EURO-ROUTE R 1 Höxter
– Berlin – Oderbruch“, spiegeln sich wieder im „R 1“.
Der Dank von Dipl.-Ing. Georg Marquardt gilt allen, die die Erweiterung des
ursprünglichen Westfalen-Radweges R 1 unterstützt haben und sich
künftig dafür verwenden. Sie leisten damit einen bemerkenswerten Beitrag
zum Sanften Tourismus, zur Völkerverständigung in Europa und
nicht zuletzt zur Wirtschaftsförderung.
Herr Dipl.-Ing. Georg Marquardt aus Höxter verwendet sich seit Jahren für
den R 1 und seine Ost-Erweiterung ab Höxter mit Ziel St. Petersburg
in Russland.
Dieses Teilstück des Europa-Radwegs beträgt von der Centraalstation (Hauptbahnhof) Arnheim bis zur Grenze nach Polen bei Küstrin-Kietz rund 1020 Kilometer. Die zahlreichen Ausflüge und Varianten sind dabei nicht berücksichtigt.
Grundsätzlich ist der Europa-Radweg sehr wenig mit Autoverkehr belastet, denn trotz der vielen Städte verläuft der Weg meist naturnah und abseits der Straßen. Das hat zur Folge, dass man in manchen Regionen oft auf unbefestigten Wegen unterwegs ist und auch die Streckenführung teilweise kompliziert ist. Dies gilt besonders für den gesamten Bereich des Harzes zwischen Langelsheim und Ermsleben, wo Sie zusätzlich noch einige starke Steigungen zu verkraften haben. Es wird aber weiterhin an einer Verbesserung gearbeitet.
In den Niederlanden verläuft der Europa-Radweg auf Teilen des Nationalen Radroutennetzes. Der Radweg führt von Den Haag kommend via Arnheim bis hinter Borculo auf dem LF4 (Midden-Nederland Route), dann bis zur deutschen Grenze bei Vreden-Zwillbrock auf dem Verbindungsstück LF40. Die LF-Routen sind in die touristische Zielwegweisung für Radler integriert. Diese erfolgt in grün auf weiß auf rechteckigen Schildern, als Pfeilwegweiser oder z. T. noch auf den kleinen, alten Wegepilzen. Sie ist in beiden Richtungen ausgeführt, wobei von Süden nach Norden bzw. von Westen nach Osten ein „a“ der Wegnummer folgt, in Gegenrichtung ein „b“.
In Deutschland ist der Europa-Radweg mittlerweile durchgehend als „R 1“ in grün auf weiß beschildert. In der Radregion Münsterland und auf den neueren Radwegweisern in Nordrhein-Westfalen ist das grün-weiße Logo bzw. der Schriftzug „Europa-Radweg R 1“ als Einschub in die radtouristische Zielwegweisung (rot auf weiß) aufgenommen worden.
Im Harz schließt sich zwar der Harzrundweg mit der Brockenhexe als Symbol an, die Wegweisung insgesamt ist hier aber leider oft lückenhaft. Bis zur Oder folgen Sie dann wieder dem grünen Schriftzug auf weißem Grund.
Internationale Vorwahlen:
Niederlande 0031
Deutschland 0049
Die niederländische Provinz Gelderland und das Westmünsterland erfreuen jeden Radler mit ihrer flachen aber abwechslungsreichen Parklandschaft. Davor aber erwartet Sie der Nationalpark De Veluwezoom, der Ihnen den beschwerlichen Anstieg von fast 100 Höhenmetern mit einem grandiosen Ausblick über Ihre nächsten 50 Kilometer Strecke versüßt. Bei geeignetem Wetter schweift Ihr Blick vielleicht sogar bis zu den Baumbergen vor den Toren Münsters, die der R 1 bei Havixbeck tangiert.
Ansonsten bleibt es aber erwartungsgemäß eben, und da Sie sich gen Osten bewegen, wird auch der Wind nur selten von vorne wehen. In der abwechslungsreichen Parklandschaft diesseits und jenseits der grünen Grenze gibt es nur wenige, meist sehr kurze Schotterpassagen. Und mit störendem Kraftverkehr müssen Sie sich dank zahlreicher „fietspaden“ und Radwege praktisch gar nicht plagen.
Östlich von Münster, vorbei am Wallfahrtsort Telgte, wartet schon die Pferdestadt Warendorf auf Sie. Entlang der jungen Ems, von der aus sich Ausflüge nach Gütersloh und Rheda-Wiedenbrück anbieten, steigt die Route bald sanft an. Hinunter nach Detmold geht es nach Querung des Lippischen Waldes, von dessen Höhen Sie das Herrmannsdenkmal grüßt. Schloss Vinsebeck und die Abtei Marienmünster liegen im Oberwälder Land an Ihrem Weg, bevor Sie ins Tal der Weser hinunter nach Höxter rollen.
Immer noch praktisch unbelastet von Autoverkehr rollen Sie meist auf asphaltierten Wirtschaftswegen dahin. Lediglich in den Waldgebieten, die auf diesem Abschnitt schon zahlreicher und größer sind als zuvor, gilt es auch geschotterte Passagen zu meistern. Deren Zustand ist leider von Landkreis zu Landkreis unterschiedlich, wenn auch nirgendwo wirklich schlecht.
Vorbei am berühmten Kloster Corvey begleiten Sie nun zunächst die Weser ein Stück durch ihr weites Tal. Im Weserbergland eröffnen Ihnen dann die sanften Hügel immer wieder grandiose Ausblicke über die Wiesen und Wälder, oft schlängelt sich der Weg aber auch im engen Tal eines Flüsschens dahin. Fachwerkbauten aus verschiedenen Jahrhunderten prägen nicht nur die historischen Ortskerne von Stadtoldendorf, Bad Gandersheim oder der Bierstadt Einbeck, sondern auch viele Dörfer. Am Rand des Harzes entlang tauchen Sie kurz ins idyllische Tal der Innerste ein und bald darauf erwartet Sie schon die Bergbaustadt Goslar.
In diesem Abschnitt bewegen Sie sich zwar längere Strecken auch auf Kreisstraßen, doch störend ist der Verkehr hier nur selten. Die schmalen, steilen Pfade im engen Tal der Gande und vor allem am Harzrand kosten dann jedoch Kraft, belohnen aber auch mit ruhigen Walddurchfahrten und Natur pur.
Der wellige Kurs am Harzrand entlang bietet viel Ruhe und Natur und vom erhöhten Waldrand aus oft weite Blicke ins flache Harzvorland. Dann geht es immer wieder hinunter und Sie tauchen ein ins bunte Treiben eines kleinen Städtchens mit kunstvoll mit Schieferschindeln verkleideten Fachwerkhäusern. Unweit des Brockens rollen Sie dann in die fruchtbare Magdeburger Börde hinunter und entlang von Bode und Saale. Kurz vor der Bauhausstadt Dessau erwarten Sie bereits die Auwälder des Biosphärenreservats Mittlere Elbe.
Auch wenn sich der R 1 nur an seinem Nordrand entlangzieht – der Harz wartet mit einigen Steigungen auf! Glatt asphaltierte Wege sind hier selten, störender Kfz-Verkehr zum Glück aber auch. In Sachsen-Anhalt finden Sie über weite Strecken eigene, sehr gut befahrbare Radstreifen neben den holprigen Schotterstraßen über Land. Dank konsequenten Ausbaus sind die historischen Pflasterstrecken entlang des Europa-Radwegs selten geworden.
Genießen Sie den sanften Übergang zwischen gezähmter und wilder Natur im Gartenreich Dessau-Wörlitz und im umgebenden Biosphärenreservat Mittlere Elbe. Einsame Wälder durchqueren Sie am Rande der Dübener Heide und im Fläming mit seinen trutzigen Burgen. Dazwischen erleben Sie kulturelle Höhepunkte im barocken Oranienbaum und in der Lutherstadt Wittenberg. Gänzlich andere Eindrücke verspricht „Ferropolis“ bei Gräfenhainichen. Hinunter von den sanften Hügeln des Hohen Flämings finden Sie sich bald an den Havelseen wieder, und Potsdam und Berlin als krönender Abschluss dieser Etappe sind nicht mehr weit.
Starker Verkehr ist unterwegs nicht zu erwarten, obwohl es zeitweise über Landstraßen geht. Holperstrecken werden zwar immer seltener, da sich Brandenburg intensiv um den Ausbau der Radfernwege kümmert, sind aber noch nicht gänzlich zu vermeiden.
Von der Kulturhauptstadt Berlin radeln Sie auf der letzten deutschen Etappe des R 1 in Richtung Küstrin-Kietz an der Polnisch-Deutschen Grenze. Entlang des Müggelsees und der Spree geht es nach Köpenick, dem Berliner Stadtteil mit dem berühmten Hauptmann. Die Märkische Schweiz macht sich mit einigen kleinen Hügeln bemerkbar, die Ihnen einen wunderbaren Blick über die immer ruhigere und dünn besiedelte Landschaft bieten. Im Ort Buckow können Sie Kurluft schnuppern, wie einst schon Berthold Brecht. Dann geht es weiter in Richtung Oder. Die entspannte Fahrt auf den Deichen durch das Oderbruch nach Küstrin-Kietz wird Sie faszinieren.
In Berlin können Sie überwiegend auf Radspuren auf der Fahrbahn oder auf Radwegen Ihren Weg fortsetzen. Haben Sie den Stadtverkehr hinter sich gelassen, rollen Sie fast immer auf Radwegen dahin. Nur wenige kurze Strecken müssen Sie im Verkehr bewältigen.