Rhein-Radweg 2

Von Basel nach Mainz

Zwischen dem Hochrhein, der bei Basel das schweizerische Voralpenland verlässt, und dem romantisch-verklärten Mittelrhein im Engtal des Schiefer­gebirges erstreckt sich die Stromlandschaft der Oberrheinischen Tiefebene. Der Rhein hatte seit jeher als Grenze, Kulturträger oder als Transportweg europäische Bedeutung und verband immer schon wichtige Städte miteinander. Deren Kulturdenkmäler erzählen eindrucksvoll von den Epochen des Heiligen Römischen Reiches, der Reformation oder des Absolutismus. Die spekta­kuläre Rhein­regulierung schuf in den letzten beiden Jahrhunderten die Voraus­setzung für die landwirtschaftliche und industrielle Nutzung der oberrheinischen Tief­ebene. Der Strom zeigt nichtsdestotrotz über weite Strecken eine faszi­nierende Altrheinlandschaft mit naturnahen Auwäldern.

Präzise Karten, genaue Streckenbeschreibungen, zahlreiche Stadt- und Ortspläne, Hinweise auf das kulturelle und touristische Angebot der Region und ein umfangreiches Übernachtungsverzeichnis – in diesem Buch finden Sie alles, was Sie für eine Radtour am Rhein benötigen – außer gutem Radl­wetter, das können wir Ihnen nur wünschen.

Eine der reizvollsten Natur- und Kulturlandschaften Mitteleuropas findet der Radfahrer im Oberrheingraben vor, der ihm zudem ideale Verhältnisse zum Radfahren bietet: ebenes Gelände, beinahe mediterranes Klima, geringe Niederschläge und günstige Windverhältnisse. Zu verdanken sind diese Verhältnisse dem oberrheinischen Grabenbruch, der das Gewässersystem des Rheins, eben die ober­rheinische Tiefebene auf einer Länge von rund 300 Kilometern und einer Breite von bis zu 60 Kilometern entstehen ließ.

Die begleitenden Mittelgebirge, im Osten der Schwarzwald, Kraichgau und Odenwald und im Westen die Vogesen, der Pfälzer Wald und das rheinhessische Hügelland rahmen das Rheintal ein. Der Rhein-Radweg eröffnet den Blick auf den viel besungenen Strom, die Schifffahrt und die Hafen- und Schleusenanlagen, aber auch auf unberührte Auenwälder mit reichhaltiger Fauna und Flora. Der Radweg führt aber auch durch reizvolle Städte, Dörfer und Weinanbaugebiete, welche mit einem reichhaltigen touristischen, kulturellen und kulinarischen Angebot aufwarten.
Landschaft, kulturelle Zeugnisse und gastronomische Leckerbissen lassen sich nicht beschreiben, der Radfahrer muss sie einfach selbst erleben.

Uebersichtskarte

Streckencharakteristik

Länge

Die Länge des Rhein-Radweges von Basel bis nach Mainz beträgt 383 Kilometer am linken Ufer und 409 Kilometer am rechten Ufer.

Hoehenprofil

Wegequalität & Verkehr

Die Wegequalität entlang des Rheins ist je nach Region unterschiedlich. In Deutschland, am rechten Rheinufer, fahren Sie die meiste Zeit auf autofreien meist unbefestigten Treppel- oder Dammwegen (d. s. sandgebundene, teilweise mit feinem Schotter abgedeckte Wege) von streckenweise sehr unterschiedlicher Qualität, verkehrsarmen Landwirtschaftswegen und asphaltierten Radwegen entlang des Hochwasserdammes. In Frankreich, am linken Rheinufer, sind Sie hauptsächlich auf Dammwegen, verkehrsarmen Nebenstraßen und Fahrwegen unterwegs. Ab und zu fahren Sie jedoch auch auf Straßen mit mäßigem Verkehrsaufkommen.

Beschilderung

Eine einheitliche Beschilderung der Internationalen Veloroute Rhein/Rhin mit nebenstehendem Logo sollte zwar bereits seit Jahren durchgehend beidufrig bis Mainz und Wiesbaden fertig gestellt sein – die Realität aber sieht leider in Deutschland vielerorts immer noch ganz anders aus! In Frankreich hingegen kann die Wegweisung und meist auch Streckenauswahl und Zustand als vorbildlich bezeichnet werden!
Wir haben versucht, immer die offizielle Route zu beschreiben, doch angesichts manchmal kryptischer oder „vielsagender“ Wegweiser (eine Route soll in drei Richtungen weiterführen!) gelingt das zumindest im deutschen Teil nicht immer. Ein „Konkurrenzproblem“ mit zahlreichen kreuzenden oder parallel verlaufenden Radrouten mit eigener, teils besserer Wegweisung verwirrt leider oft zusätzlich.

Keinesfalls sollten Sie in Baden-Württemberg die ufernahe Veloroute Rhein mit dem Rheintal-Weg verwechseln, der in der Regel weiter östlich am Talrand verläuft. Die Veloroute Rhein in Hessen führt streckenweise identisch mit dem Hessischen Radfernweg Nr. 6.

Tourenplanung

Sportlichere Radfahrer oder Radfahrerinnen werden die gesamte Tour in drei bis vier Tagen zurücklegen können. Möchten Sie aber ein eher gemütliches Tempo anschlagen oder sich für den Besuch der Sehenswürdigkeiten oder zum Baden Zeit nehmen, so sollten Sie mindestens eine Woche einplanen – und sei es nur für einen spontanen Ruhetag, wo es Ihnen besonders gut gefällt.

Wichtige Telefonnummern

Internationale Vorwahlen:

nach Deutschland: 0049
nach Frankreich: 0033
in die Schweiz: 0041

Infostellen

 

Streckenabschnitte des Rhein-Radweges

Basel Kembs Freiburg Colmar Rhein bei Strasbourg Strasbourg, Temple St. Paul Barockresidenz Rastatt Karlsruhe Mainz, Rathaus

Von Basel nach Neuf-Brisach am linken Ufer 67 km

Auf französichem Ufer durchquert der Rhein-Radweg als ersten Ort Huningue, folgt dem Rhein-Rhône-Kanal, streift das Naturschutzgebiet der elsässischen „Petite Camargue“, führt durch den Hardt-Wald, kommt in die Nähe von Ottmarsheim, mit seiner berühmten romanischen Kirche und dann nach Fessenheim, dem Heimatort von Victor Schoelcher, welcher sich im 19. Jahrhundert gegen politische Unterdrückung und für die Menschrechte einsetzte. In ebenem Gelände gelangt der Radler in die ehemalige Festungsstadt Neuf-Brisach, wo man kulturelle Abstecher machen kann, so zum Beispiel in das Vauban-Museum. Auch einen Ausflug nach Colmar sollte man nicht vergessen, da die unter Denkmalschutz stehende Altstadt eine einzigartige Atmosphäre ausstrahlt.

Beiderseits des Rheins gibt es eine offizielle und in Zukunft durchgehend beschilderte Hauptroute. Die linksrheinische französische Route führt meist etwas abseits des Rheins auf hauptsächlich asphaltierten Radwegen und Landstraßen.

Von Basel nach Breisach am rechten Ufer 60 km

Bei Basel wendet sich der Fluss nach Norden und ergießt sich nun als Oberrhein in die weite Ebene des Rheingrabens, der von den Vogesen im Westen und vom Schwarzwald im Osten begrenzt wird. Der Flusslauf war früher nicht so gerade wie heute, und auch die Flußmitte bildete nicht immer die Staatsgrenze. Einen Ausflug nach Freiburg im Breisgau, mit dem Freiburger Münster, sollten Sie auf jeden Fall unternehmen. Ab Breisach können Sie sich dann entscheiden, ob Sie linksrheinisch auf französicher Seite direkt am Ufer fahren möchten, oder rechtsrheinisch in Deutschland über Kehl.

Beiderseits des Rheins gibt es eine offizielle, und in Zukunft durchgehend beschilderte Hauptroute. Die rechtsrheinische Route auf deutscher Seite verläuft großteils auf gekiesten Radwegen ganz in Rheinnähe.

Von Neuf-Brisach nach Strasbourg am linken Ufer 71,5 km

Nach Artzenheim führt der Weg größtenteils durch die Natur und verbindet die Entdeckung von angenehmen Orten entlang des Rheins oder des Kanals mit der Fahrt unter schattigen Bäumen. Nach Marckolsheim durchquert die Route zahlreiche typische Rieddörfer, bevor sie wieder an den Rhein-Rhône-Kanal gelangt. Bis nach Strasbourg kommt man an vielen Schleusen vorüber und an charakteristischen Kirchen, wie in Mauchenheim, Neunkirch, Plobsheim oder in Eschau, die zu einer besinnlichen Rast einladen. Strasbourg, die Hauptstadt Europas und zugleich das Endziel dieser Etappe mit ihren unzähligen historischen Gebäuden ist auf alle Fälle einen längeren Besuch wert.

Veränderungen zum ersten Teilabschnitt bezüglich des Charakters der Wegeführung treten kaum auf. Auf französischer Seite verlassen Sie die Hauptroute bis Strasbourg nicht.

Von Breisach nach Kehl am rechten Ufer 80 km

Die Vogesen nähern sich in diesem Abschnitt allmählich dem Rhein, und das Landschaftsbild wird durch das größte vulkanische „Denkmal” auf der oberrheinischen Tiefebene, dem Kaiserstuhl, bereichert. Von den früheren Auwäldern, wenn auch etwas abgewandelt, sind einige erhalten und verleihen der Reise eine neue Note. Auch die Architektur wird vielfältiger: Neben dem zierlichen Fachwerk kommt im früher habsburgischen Breisgau österreichischer Barock und in Strasbourg der wilhelmi­nische Klassizismus hinzu.

Die Route verläuft weiterhin auf beiden Seiten des Rheins. Veränderungen zum zweiten Teilabschnitt bezüglich des Charakters der Wegeführung treten kaum auf. In Deutschland empfiehlt es sich, vom Rheinufer für Besuche im Europapark in Rust oder einem Aufenthalt im dem Städtchen Offenburg abzuweichen.

Von Strasbourg nach Karlsruhe am linken Ufer 80,5 km

In diesem Abschnitt ist man auf Entdeckungsfahrt in kleinen Dörfern mit typischer Hausform, die ehemals von Fischern und Schiffsleuten bewohnt waren. In Gambsheim trifft man auf die große Schleuse, die den Radler, wie auch später am Ende des Rheinkanals in Beinheim, den Ufern des Rheins nahebringt. Etwas abseits der Route liegt Sessenheim, welches durch Goethe bekannt wurde. Auf dem Damm, vorüber an Rheinauwäldern und Naturschutzgebieten wie in Munchhausen, erreicht man Lauterbourg, die letzte elsässiche Station des französichen Rhein-Radweges.

Auf dem linken Ufer wechseln Sie in der Nähe von Lauterbourg von Frankreich ins deutsche Bundesland Rheinland-Pfalz. Wenn Sie lieber auf asphaltierten Wegen fahren, dann sollten Sie derzeit noch das linke Ufer wählen.

Von Kehl nach Karlsruhe am rechten Ufer 84 km

Die Gefilde des Elsass bleiben allmählich zurück, und die Stromlandschaft wird von ausgeprägten Gegensätzen erfasst: Die Funktion des Rheins als große europäische Wasserstraße und als Elektrizitätsquelle wird deutlich vor Augen geführt. Gleichzeitig unterhält er aber noch lebendige Auen und beweist damit seine Vitalität. Die kulturelle Hauptattraktion dieses Abschnittes bilden die einstigen Residenzstädte der badischen Markgrafen, Rastatt und Karlsruhe, die in ein weiteres Kapitel deutscher Geschichte Einblick gewähren. Die Barockanlagen zeugen eindrucksvoll vom selbstherrlichen Gestaltungswillen der absolutistischen Epoche.

Am rechten Ufer verläuft die Route konstant leicht bergab, und meist auf unbefestigten Dammwegen entlang des Rheins.

Von Karlsruhe nach Ludwigshafen am linken Ufer 77 km

Auf dem rheinland-pfälzischen Strang des Rhein-Radweges liegen die kurbayerische Festung Germersheim und das 2.000-jährige Speyer mit dem romanischen Dom und der Grablege der salischen Kaiser. Weitere Höhepunkte auf diesem Abschnitt sind sicherlich die linksrheinischen Wege entlang der Auwälder zwischen Leimersheim und Germersheim, zwischen Otterstadt und Altrip. In der Ferne sind die Gebirgsränder des Pfälzer- und des Odenwaldes sichtbar. Die Etappe endet in Ludwigshafen. Hier lohnt der Besuch der Rheinpromenade und des Wilhelm-Hack-Museums.

Die Hauptroute bleibt die ersten Kilometer am pfälzischen Rheinufer und verfolgt meist auf asphaltierten Dammwegen die Schlangenlinie der Altarme. Die Radroute am linken Ufer ist durchgehend befestigt.

Von Karlsruhe nach Mannheim am rechten Ufer 65 km

Der in diesem Bereich langsamer fließende Strom wand sich früher in zahlreichen Schleifen durch die Landschaft. Nach der Begradigung seines Laufes blieben zahlreiche geschützte Altarmlandschaften zurück. Das Ende dieser Etappe befindet sich in der Quadratestadt Mannheim. Schloss und Jesuitenkirche sind vom Barock, Rosengarten, Friedrichsplatz und Kunsthalle vom Jugendstil geprägt. Einen Besuch lohnen auch das Reiß-Museum und das Landesmuseum für Technik und Arbeit. Tipp: Ein kurzer Abstecher zum eindrucksvollen Schloss Schwetzingen ist Pflichtprogramm.

Die Hauptroute bleibt die ersten Kilometer am pfälzischen, also am linken Rheinufer. Erst in Leimersheim führt die Route wieder ans rechte Ufer. Für die Wegstrecke Karlsruhe-Leimersheim lesen Sie bitte von Seite 99 bis 102 (Karten 44 und 45). Ab Leimersheim dann am rechten Ufer weiter, hier begegnen Ihnen immer noch unbefestigte Damm- oder Waldwege.

Von Ludwigshafen nach Mainz am linken Ufer 73,5 km

Im letzten Abschnitt der linksrheinischen Tour erreicht die Route das große rhein­-hessische Weingebiet, das Bild wird mehr und mehr von lieb­lichen, rebreichen Hängen geprägt. Die erste Station ist die alte Reichsstadt Worms, wo die Nibelungenstraße beginnt. Die berühmte romanische Basilika steht für die glanzvolle kaiser­liche Zeit dieser Stadt. Die „Weinhauptstadt” der Region, Oppenheim, regt durch das Deutsche Weinbaumuseum an, das landschaftlich Erlebte auch historisch zu erfassen. Vorbei an zahlreichen Weinorten führt der Weg schließlich nach Mainz, in die einst „goldene” bischöfliche Reichsstadt. Das Gutenberg-Museum und der St. Martinsdom, als dritter in der Reihe großer romanischer Kaiserdome am Oberrhein, bedeuten die letzten Höhepunkte der Reise.
Ab Worms entfernt sich die linke Rheinroute etwas vom Fluss und führt Sie auf Nebenstraßen idyllisch durch die Weingärten.

Von Mannheim nach Mainz am rechten Ufer 93 km

Im letzten Abschnitt der rechtsrheinischen Route geht es in geschützter Dammlage direkt durch die Rheinauen. Mit den Naturschutzgebieten Biedensand und Kühkopf im hessischen Ried erleben Sie die Vielfalt der Natur und genießen die Beschaulichkeit dieser eindrucksvollen Landschaft. Der Rhein bleibt fast immer in Sichtweite. Ein Höhepunkt der Radtour ist der Ausblick auf die Mainmündung, wo der Schiffsverkehr in den Rhein ein- bzw. ausfährt. Mit Blick auf Mainz fahren Sie weiter zum sehenswerten Kurfürstlichen Schloss und ereichen somit den Endpunkt der Radtour am rechtsrheinischen Ufer.
Am rechten hessischen Ufer fahren Sie meist in Rheinnähe auf befestigten Wegen mit Blick auf die gegenüberliegenden Weinhänge nach Mainz.

 

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